Autofahren in Los Angeles

Autofahren gehört in LA einfach dazu!

Wer zum ersten Mal in Los Angeles Auto fährt, merkt ziemlich schnell: Diese Stadt funktioniert anders. Nicht nur ein bisschen anders als Deutschland, sondern teilweise nach einem komplett anderen Rhythmus. Genau das macht Autofahren hier gleichzeitig anstrengend, faszinierend und irgendwann sogar überraschend entspannt.

Viele verstehen erst vor Ort, dass Autofahren in LA viel mehr ist als bloße Fortbewegung. Es gehört einfach zum Lebensgefühl dazu. Man sitzt im Auto, schaltet KIIS-FM auf 102,7 ein, fährt an Palmen vorbei und steckt vielleicht sogar im Stau und trotzdem fühlt sich alles irgendwie nach Kalifornien an. Selbst die Radiomoderatoren klingen so, als wäre das Leben gerade ziemlich entspannt.

Vor allem deutsche Touristen kommen oft mit einer gewissen Ehrfurcht nach Los Angeles. Man kennt die Bilder von riesigen Freeways, endlosen Staus und komplett überfüllten Straßen. Und ja: Am Anfang wirkt das Ganze tatsächlich genau so. Sechs Spuren pro Richtung, komplizierte Kreuzungen, überall Autos und Navigationsansagen im Sekundentakt.

Trotzdem merkt man relativ schnell, dass der Verkehr in Los Angeles oft entspannter ist als in vielen deutschen Großstädten. Es wird weniger gedrängelt, kaum gehupt und dieses typische deutsche Revierdenken auf der Straße begegnet einem hier deutlich seltener. Stattdessen läuft vieles über Mitdenken, spontane Reaktionen und ein gewisses „wird schon passen“. Genau daran muss man sich erst gewöhnen. Wer versucht, in Los Angeles mit deutschem Fahrschulperfektionismus unterwegs zu sein, macht sich das Leben meistens unnötig schwer.

Warum Autofahren in Kalifornien anders wirkt

Ein großer Unterschied liegt schon in der Fahrausbildung. Während man in Deutschland gefühlt erst ein halbes Studium absolvieren muss, bevor man den Führerschein bekommt, läuft das in Kalifornien deutlich unkomplizierter ab. Viele lernen das Fahren bei Eltern oder Freunden und machen nur eine vergleichsweise kurze Fahrschulausbildung. Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Leute schlecht fahren aber oft eben weniger regelorientiert und präzise als deutsche Fahrer.

Im Alltag merkt man das schnell. Spurwechsel passieren spontaner, manche Autos fahren etwas unsauber in der Spur und gelegentlich wirkt jemand kurz unentschlossen. Gleichzeitig fahren viele Amerikaner defensiver und weniger aggressiv. Genau deshalb funktioniert dieses scheinbare Chaos erstaunlich gut. Der wichtigste Trick ist eigentlich ganz simpel: entspannt bleiben und nicht jede Situation wie ein deutscher Fahrprüfer analysieren.

Auch beim Tempo gibt es Unterschiede. In Kalifornien fährt man insgesamt langsamer als in Deutschland. In Wohngebieten gilt oft 25 mph, also ungefähr 40 km/h. Auf größeren Straßen bewegt man sich meist zwischen 35 und 45 mph. Selbst auf den riesigen Freeways liegt das Tempolimit oft nur bei 65 mph, also etwa 105 km/h. Natürlich fahren viele trotzdem etwas schneller. Insgesamt wirkt der Verkehr aber deutlich ruhiger als auf deutschen Autobahnen. Genau das macht selbst große Freeways nach einiger Zeit überraschend angenehm.

Fußgänger, Schulbusse und blinkende Ampeln

Besonders deutlich merkt man die Unterschiede bei Fußgängern. In Kalifornien haben sie praktisch immer Vorrang und verlassen sich auch darauf! Wer an einem Zebrastreifen wartet, geht meist ganz selbstverständlich davon aus, dass die Autos anhalten.

Außerdem lässt man Fußgängern in Los Angeles deutlich mehr Platz. Während man in Deutschland oft schon wieder langsam anfährt, sobald jemand am eigenen Auto vorbeigelaufen ist, wartet man hier meistens deutlich länger. Zu dichtes Vorbeifahren wirkt schnell aggressiv oder unhöflich.

Was viele deutsche Fahrer außerdem überhaupt nicht auf dem Schirm haben: Die berühmten gelben Schulbusse genießen in den USA einen extrem hohen Stellenwert! Sobald ein Schulbus anhält und rote Lichter blinken, müssen alle Fahrzeuge stoppen. Komplett! Nicht langsam vorbeifahren, nicht rollen sondern wirklich stehen bleiben! Verstöße werden ziemlich ernst genommen und können extrem teuer werden.

Auch blinkende Ampeln funktionieren teilweise anders als in Deutschland. Gelb blinkend bedeutet meistens: vorsichtig weiterfahren und aufmerksam bleiben. Rot blinkende Ampeln funktionieren oft wie ein Stoppschild. Man hält vollständig an und fährt erst weiter, wenn frei ist.

Abbiegen bei Rot und All-Way-Stops

Ein kleiner Kulturschock ist für viele das berühmte Rechtsabbiegen bei Rot. Beim ersten Mal fühlt sich das ziemlich falsch an. Hinter einem warten Autos, die Ampel ist rot und trotzdem biegen alle entspannt rechts ab. Natürlich nur nach vollständigem Stopp und sofern kein „No Turn on Red“-Schild dort steht. Nach ein paar Tagen macht man das völlig automatisch.

Ähnlich verwirrend wirken am Anfang die berühmten All-Way-Stops. Vier Autos stehen an einer Kreuzung und irgendwie scheint niemand genau zu wissen, wer jetzt fahren darf. In Wirklichkeit läuft das erstaunlich gut über Blickkontakt, kleine Handzeichen und gegenseitige Rücksichtnahme. Und falls wirklich einmal völlige Verwirrung entsteht, taucht plötzlich doch noch so etwas wie das deutsche „rechts vor links“ auf. Wobei man fairerweise sagen muss: Die meisten haben es vermutlich noch nie wirklich gebraucht.

Freeways: Groß, chaotisch und überraschend entspannt

Auf den Freeways wird es dann richtig spannend: Viele deutsche Fahrer erwarten dort aggressive Zustände wie auf deutschen Autobahnen. Tatsächlich fühlt sich das Fahren in Los Angeles aber oft eher wie ein großer, fließender Strom an. Spuren wechseln ständig, Leute ordnen sich spontan ein und manchmal merkt jemand erst sehr spät, dass die eigene Ausfahrt direkt bevorsteht.

Besonders ungewohnt sind die extrem kurzen Auffahrten. Wer aus Deutschland kommt, erschrickt beim ersten Auffahren oft kurz. Man hat teilweise nur wenige Sekunden Zeit, um sich einzufädeln. Überraschenderweise funktioniert das meistens trotzdem ziemlich gut, weil viele Fahrer Platz machen oder kurz die Spur wechseln.

Und dann gibt es noch diese Momente, in denen das Navi plötzlich sagt, dass die Ausfahrt links kommt. Auch daran müssen sich viele erst gewöhnen. In Los Angeles liegen manche Verbindungen tatsächlich auf der linken Seite des Freeways.

Typisch für LA sind außerdem die sogenannten HOV- oder Carpool-Lanes auf der ganz linken Spur. Diese Spuren sind für Fahrzeuge mit mehreren Insassen reserviert und im Berufsverkehr oft deutlich schneller.

Zusätzlich gibt es auf manchen Freeways sogenannte FasTrak-Spuren beziehungsweise Express Lanes. Dort wird die Nutzung elektronisch erfasst und automatisch abgerechnet. Für Touristen kann das schnell teuer werden, wenn man versehentlich auf so eine Spur gerät, ohne einen passenden Transponder zu haben oder beim Mietwagenanbieter das entsprechende Toll- beziehungsweise FasTrak-Agreement abgeschlossen zu haben.

Gerade weil manche dieser Spuren auf den ersten Blick wie normale Carpool-Lanes wirken, sollte man auf die Beschilderung achten. Sonst landet später schneller eine unerwartete Zusatzrechnung auf der Kreditkarte, als einem lieb ist.

Das eigentliche Abenteuer: Parken in Los Angeles

Und dann kommt das Thema Parken. Ganz ehrlich: Parken in Los Angeles ist manchmal komplizierter als das Autofahren selbst. Parkplatzschilder wirken oft wie kleine juristische Rätsel. Street Cleaning, Permit Parking, Uhrzeiten, Wochentage und Feiertagsregeln stehen gefühlt alle gleichzeitig auf einem einzigen Schild.

Mit der Zeit lernt man aber ein paar typische LA-Tricks. Direkt auf den großen Straßen ist Parken oft teuer oder schwierig. Fährt man dagegen ein oder zwei Blocks weiter in Wohngebiete hinein, findet man erstaunlich oft kostenlose Parkplätze.

Was man allerdings wirklich ernst nehmen sollte, ist Street Cleaning: Viele, wie auch der Autor dieses Beitrags, denken beim ersten Mal: „Ach, da kontrolliert bestimmt niemand.“ Das Problem: Sobald Street Cleaning ansteht, verschwinden die meisten Autos rechtzeitig. Dadurch bleiben nur noch wenige Fahrzeuge übrig und genau die bekommen dann oft ein Ticket. Wenig Aufwand mit viel Einnahmen für das Parking Enforcement.

Je nach Gegend kostet das schnell 60 bis 70 Dollar. Und ehrlich gesagt gibt es in Los Angeles deutlich bessere Möglichkeiten, dieses Geld auszugeben.

In Los Angeles rechnet man nicht in Kilometern

In LA lernt man außerdem ziemlich schnell, dass Entfernungen nicht in Kilometern oder Meilen gemessen werden, sondern in Zeit. In Deutschland fragt man eher: „Wie weit ist das?“ In Los Angeles fragt man: „Wie lange dauert das?“ Dieselbe Strecke kann morgens zwanzig Minuten dauern und nachmittags plötzlich anderthalb Stunden.

Typisch für LA sind außerdem die sogenannten HOV- oder Carpool-Lanes auf der ganz linken Spur. Diese Spuren sind für Fahrzeuge mit mehreren Insassen reserviert und im Berufsverkehr oft deutlich schneller.

Zusätzlich gibt es auf manchen Freeways sogenannte FasTrak-Spuren beziehungsweise Express Lanes. Dort wird die Nutzung elektronisch erfasst und automatisch abgerechnet. Für Touristen kann das schnell teuer werden, wenn man versehentlich auf so eine Spur gerät, ohne einen passenden Transponder zu haben oder beim Mietwagenanbieter das entsprechende Toll- beziehungsweise FasTrak-Agreement abgeschlossen zu haben.

Gerade weil manche dieser Spuren auf den ersten Blick wie normale Carpool-Lanes wirken, sollte man auf die Beschilderung achten. Sonst landet später schneller eine unerwartete Zusatzrechnung auf der Kreditkarte, als einem lieb ist.

Ein lustiges Detail ist übrigens die Art, wie Einheimische über Autobahnen sprechen. Niemand sagt „Interstate 5“ oder „Highway 101“. Man sagt einfach „the 5“, „the 101“ oder „the 405“. Daran erkennt man sofort, wer aus LA kommt.

Viele dieser Freeways tragen übrigens bis heute noch alte Namen aus der Zeit, bevor man hauptsächlich mit Nummern gearbeitet hat. Die 101 heißt zum Beispiel teilweise Hollywood Freeway, die Interstate 5 wird oft auch Golden State Freeway genannt und die 110 Richtung Pasadena trägt den Namen Arroyo Seco Parkway beziehungsweise Arroyo Seco Freeway. Gerade der Arroyo Seco Parkway gilt als einer der ersten echten urbanen Freeways der USA. Los Angeles hatte sein riesiges Freeway-System also schon zu einer Zeit, als viele andere Städte noch gar nicht wussten, wie sehr Autos ihr Stadtbild einmal verändern würden.

Und irgendwann macht es plötzlich Spaß

Und trotzdem passiert irgendwann etwas Interessantes: Man beginnt plötzlich, sich auf diesen Straßen wohlzufühlen!

Vielleicht fährt man gerade über die 110 Richtung Downtown und die Skyline taucht langsam vor einem auf. Vielleicht entdeckt man auf der 101 plötzlich das Hollywood Sign zwischen den Hügeln. Oder man fährt über die 10 Richtung Santa Monica durch den Tunnel – und auf einmal öffnet sich links der Blick auf den Pazifik. Das sind die Momente, in denen sich Los Angeles plötzlich nicht mehr wie eine riesige fremde Stadt anfühlt, sondern wie ein kleines Abenteuer auf vier Rädern.

Ja, der Verkehr kann anstrengend sein. Ja, man wird vermutlich irgendwann die falsche Spur erwischen oder eine Ausfahrt verpassen. Aber genau das gehört irgendwie dazu. Denn Autofahren in Los Angeles fühlt sich oft weniger nach steriler Fortbewegung sondern mehr nach einem Roadtrip mitten im Alltag an. Und genau deshalb verlieren viele Touristen nach ein paar Tagen komplett die Angst davor.

Los Angeles hat seinen eigenen Rhythmus. Und wenn man sich darauf einlässt, kann Autofahren hier plötzlich richtig Spaß machen.